Donnerstag, 19. Januar 2017

Kurzfilm Review: Amor Killt!

Amor Killt!



Mit Max Mustermann - Suizid Coach (Review) konnte Christian Kreil, samt seiner Filmmaschine in der Indieszene auf sich aufmerksam machen. Nachdem es einige Zeit still wurde ist er nun zurück mit seinem bitterbösen Kurzfilm Amor Killt. Hat sich das Warten gelohnt und kann Kreil an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen? 

Amor ist sauer! Überall nur noch Prostitution, Online Sex und Nutten an jeder Ecke. Was ist aus der wahren Liebe geworden, welche er mit seinem Pfeil verteilte? Nichts ist mehr so wie es mal war. Wie kann man es also einfacher ändern, als alle Nutten, Prostituierten und Freier abzumurksen, damit das heile Weltbild wieder zustande kommt. Nichts leichter als das denkt sich Amor und beginnt sein blutiges Treiben. Leider hat Gott selbst etwas dagegen und sieht sich gezwungen seinen gefallenen Sohn Luzifer auf Amor anzusetzen. Das Spiel beginnt und es wird blutig werden, verdammt blutig!


Die Geschichte von Amor Killt! ist wahrlich zum wegschmeißen. Wie auch schon Max Mustermann, zeigt Kreil sein Hang für den perfiden Humor und setzt diesen äußerst professionell um. Jede Szene ist durchdacht und wirkt passend. Keine Langeweile entsteht und die kurze Spielzeit von gerade einmal 16 Minuten ist im Nu um. Doch der Film endet nicht mit Beginn des Abspanns, denn dieser bietet tolle Outtakes und danach geht es noch weiter. Selbst das Ende nach dem Ende ist noch nicht das Ende, wenn man so will. Ganz zum Schluss gibt es sprichwörtlich noch einen "Eiersalat". Jeder der den Film schon gesehen hat, wird verstehen was ich damit meine.


Die Darsteller agieren auf sehr hohem Niveau und es ist eine wahre Freude ihnen dabei zuzuschauen. Allen voran Patrick Santy in der Rolle des Amor, spielt diesen erfreulich spritzig, abgedreht und jenseits von jeglicher Realität. Es macht einfach Spaß für ein paar Minuten den Ernst des Lebens zu vergessen und ihm beim Morden "für den guten Zweck" zuzuschauen. Jonas Sommer, mein geschätzter Kollege von ScaredtoDeath Reviews, ist auch in einer kurzen Szene als frivoler Freier zu sehen, welchem die ehrwürdige Aufgabe zu teil wird, die Kunde von Amors Mordlust zu verkünden. Daneben geben sich bekannte Indie Größen wie Manoush und die Brandls die Klinge in die Hand. Erneut zeigt sich, dass die Indieszene zusammen hält und sowas gibt weitere Pluspunkte.

Abgerundet wird das Ganze dann noch von einer gehörigen Portion Gore und Blut. Hier haben sich Kreil samt FX Profi Philipp Rathgeber einiges einfallen lassen, was die Herzen der Gorehounds höher schlägen lässt. Das Bonus Material bietet sogar einen Kill als Easter Egg mit total unpassender Musik. Solche Gimmicks sind es, die diese Art von Film erfreulich von den Blockbustern abheben können. Und wenn Amor bereits in den ersten Sekunden seines Auftauchens einer Nutte den Kopf abreißt und das Blut in einer übertriebenen Fontäne durch den Raum spritzt, dann kann es doch nur unterhalten, oder?


Fazit: Amor Killt! ist ein wahres Fest für Indiefans und Leute, die einfach gerne Spaß mit einem Kurzfilm haben wollen. Grandiose Darbietung der Charaktere, eine tolle Story, viel Blut und ein Ende, dass es in sich hat. Uneingeschränkte Empfehlung an alle!! Kaufen und Spaß haben!

Zur VÖ: Neben dem Hauptfilm enthält die DVD noch einen weiteren Kurzfilm namens "Koma:Amok:Freiheit" der Filmmaschine, welcher auch schon auf der DVD zu Max Mustermann zu finden war. Darüberhinaus gibt es ein paar Trailer, sowie einen unterhaltsamen Werbespot für einen Energiedrink und das oben angesprochene Easter Egg. Eine offizielle VÖ wird es voraussichtlich im Herbst geben. Weitere Infos gibt es auf der offiziellen Webseite.




Dienstag, 13. Dezember 2016

Review: Frankensteins Höllenmonster

Frankensteins Höllenmonster


Mit Frankensteins Höllenmonster bekommt man das Ende einer Ära spendiert. Dieser Film sollte das letzte Werk von Terence Fisher in der Riege von Hammer werden. 17 Jahre nachdem er mit Frankensteins Fluch, das erste Mal den Doktor auf die Menschheit los ließ, beendet er nun die Saga. Außer bei zwei Ablegern hat, er bei allen anderen selber Regie geführt. Doch kann der Film auch heute noch unterhalten und hat sich Fisher damit ein ewiges Denkmal gesetzt, oder ist er ein wenig zu langatmig geraten? 

Freitag, 2. Dezember 2016

Review: Ausgeburt der Hölle

Ausgeburt der Hölle


Gut einen Monat nach dem Tingler, haute Anolis Entertainment schon direkt den nächsten Titel aus ihrer Rache der Galerie des Grauens Reihe raus. Dabei handelt es sich bei Ausgeburt der Hölle um eine kleine, aber feine Horror/Sci-Fi Perle, die es bisher nicht zu einer Heimkino Veröffentlichung in Deutschland geschafft hatte. Doch das ändert sich nun endlich dank Anolis. Wie bereits bei dem zweiten Output der Reihe, erscheint auch Ausgeburt der Hölle "nur" als DVD. Doch kommen wir zunächst mal zu Film und ob sich das 60 Jahre lange Warten auf eine Heimkino VÖ gelohnt hat.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Review: Jack Ketchums Beutegier

Jack Ketchums Beutegier


7 Jahre ist es nun her, dass mit Jack Ketchums Beutegier eine heiß ersehnte Buchverfilmung auf der Mattscheibe flimmern durfte. Doch in Deutschland kam man nur bedingt in den Genuss dieses Films, da die Sittenwächter ihn in der ungeschnittenen Fassung nicht freigeben wollten. Wenig später bescherte NSM dem interessierten Filmfan eine ungeschnittene DVD Auflage. Wer allerdings dem ganzen Treiben in HD beiwohnen wollte, der musste erneut bis 2016 warten. Zunächst nur im Mediabook vorhanden, entschieden sich NSM und Anolis Film dazu, dem Werk auch eine kostengünstige Bluray Fassung zu spendieren und endlich hat jeder die Chance den Film zu sehen. Doch hat sich das Warten gelohnt?

Montag, 21. November 2016

TEARS OF EROS 
Im Gespräch mit Marcus Stiglegger zum Score  zu Julia Ostertags DARK CIRCUS

Von Stephan Ortlepp




Sonntag, 30. Oktober 2016

Review: The Neon Demon



Beauty Isn’t Everything, It’s the Only Thing


Titel: The Neon Demon
Director: Nicolas Winding Refn
Genre: Thriller / Horror
Label: Koch Media
Release: 2016


The Neon Demon ist kein einfacher Film, nicht nur vom Verständnis her und was er ist bzw. sein möchte, sondern das Meisterstück ist auch schwer zu reviewn. Das neueste Werk von Nicolas Winding Refn, welches bis jetzt die Krönung seines Schaffens ist, glänzt nicht nur mit seinen beeindruckenden Bildern (in denen die Farben Blau und Rot eine wichtige Rolle spielen), sondern auch mit einem beeindruckenden Soundtrack aus der Feder von Cliff Martinez (Drive, Only God Forgives). Jedoch eine Warnung vorab: Sollten Sie den Film noch nicht gesehen haben, scrollen sie bitte weiter zum „Fazit“, da die nachfolgende Zusammenfassung Spoiler enthalten kann.


In The Neon Demon begleiten wir die junge Jesse (gespielt von Elle Fanning, Der seltsame Fall des Benjamin Button, Maleficent) auf ihrer Reise durch die glamouröse und vom Schönheitswahn getriebene Modebranche von Los Angeles.

Buchbesprechung: DIE ÄSTHETIK DES DRASTISCHEN

Ästhetik des Drastischen 
Welterfahrung und Gewalt im Horrorfilm


Von Stephan Ortlepp


Seit bereits einigen Jahren bringt der Bertz+Fischer Verlag aus Berlin höchst informative Publikationen zum Thema Film heraus. Nebenbei schaffte sich der Verlag damit eine Einzelstellung und einen ausgesprochen guten Ruf bei seiner Leserschaft.

Benjamin Moldenhauers Buch setzt sich mit der repulsiven Ästhetik im Horror-Genre auseinander und schafft damit ein Standardwerk für Genrefans. Moldenhauers Exkurs beginnt bei den Ursprüngen des Horrors (Nosferatu, 1922) bis hin zum modernen Terror-Kino (Wolf Creek, 2005). Er bietet jedem erfahrenen Horrorfilm-Liebhaber neue Ansichten zu beliebten Genrebeiträgen und erarbeitet ein überaus umfassendes Resümee über ein Genre, dass Jahrzehnte als „Schmutz“ verschrien war, aber mittlerweile die wohlverdiente Aufarbeitung der Filmwissenschaftler und Hobby-Filmschreiber erfahren darf. Dabei bildet das Buch eine überarbeitete Version Moldenhauers Dissertation zum Thema dar und erweist sich als durchweg verständlich und überaus informativ.

Als Eckpfeiler seiner wissenschaftlichen Arbeit des ästhetischen Antlitz bei fiktionaler Gewalt im Horror-Genre, bespricht Moldenhauer vier richtungsweisende Filme, der letzten vierzig Jahre. Wes Cravens DAS LETZTE HAUS LINKS von 1972, Tobe Hoopers BLUTGERICHT IN TEXAS von 1974,  Rob Zombies THE DEVIL’S REJECTS von 2005 und Alexandre Ajas THE HILLS HAVE EYES von 2006. Anhand dieser Genre- Meilensteine untersucht der Autor die Frage, warum wir Horror lieben, und wie drastische Gewalt auf den Zuschauer wirken.

Benjamin Moldenhauers DIE ÄSTHETIK DES DRASTISCHEN - WELTERFAHRUNG UND GEWALT IM HORRORFILM legt die Messlatte im Genre-Filmbuch-Bereich immens hoch und als Filmfan bleibt einem abschließend nur zu sagen, dass es auch endlich Zeit wird, umfassende und liebevoll bebilderte (im Innenteil mit Farbfoto-Anteil) Aufarbeitungen zum Genre auf deutsch zu veröffentlichen, welche sich nicht vor internationalen Publikationen verstecken braucht. Moldenhauers Buch setzt sich nahtlos in die Deep Focus- Reihe des ehrenwerten  Bertz+Fischer Verlages und darf sich durchaus in guter Gesellschaft wägen. Neben weiteren Deep Focus- Veröffentlichungen, wie DER WEISSE HAI- REVISITED (Wieland Schwanebeck Hsg.) oder DARIO ARGENTO (Michael Flintrop und Marcus Stiglegger Hsg.), verwöhnt der renommierte Verlag auch regelmäßig seine Leserschar mit Veröffentlichungen aus der Reihe Medien/Kultur und das in durchweg beispielloser Qualität. Ein Blick durch das breite Backprogramm des Verlages lohnt sich und über die Verlags-Homepage kann man jedes nicht-vergriffene Buch Portofrei bestellen.

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Benjamin Moldenhauer
Ästhetik des Drastischen
Welterfahrung und Gewalt im Horrorfilm
      Deep Focus 23

360 Seiten, 203 Fotos, davon 25 farbig
Paperback, 14,8 x 21 cm
Artikelnummer 978-3-86505-326-8
Erschienen im Juli 2016